2009-01-22

Guldenstern


Guldenstern ist das Pseudonym für das Künstlerduo Peter Wolframm und Peter Smolka, das zur Elite der deutschen Pop-Art-Szene zählt.
In verschiedenen grafischen Techniken, wie z.B. Serigrafie und Mixed Media verbunden mit herkömmlicher Malerei behandeln die Künstler Guldenstern in ihren Werken collagenartig aktuelle sowie geschichtliche Themen, deren Darstellung eindeutig beeinflußt ist vom Stil der US-PopArt-Ikonen wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein. Der eigene Stil der Künstler allerdings ist unverkennbar, was nicht zuletzt durch das verwendete Grundmaterial deutlich wird: Neben Leinwand und Holzplatten verwenden Guldenstern auch glänzende Metallplatten als Basismaterial für ihre meist großformatigen Bilder. Gerade dieses eher "kalte" Material entwickelt durch die künstlerische Bearbeitung mit oft warmen und poppigen Farben eine faszinierende Eigendynamik, die beim Betrachter sehr wohl in der Lage ist, die verschiedenartigsten Emotionen auszulösen. In den letzten Jahren fanden zahlreiche Guldenstern-Ausstellungen statt, u.a. in Österreich, Belgien, der Schweiz, Deutschland und den USA. Viele der Guldenstern - Werke befinden sich in privaten Sammlungen in Deutschland, der Schweiz, Österreich, England, Frankreich, Japan und den USA als auch in öffentlichen Institutionen wie dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Europalast in Brüssel, Nippon Ind. in Tokio oder der Swiss Humanity Corp. in London und Genf.

Guldenstern "The Beatles", 2003 - Mixed Media auf Aluminium (100x100 cm)


Guldenstern "Sunset"

2009-01-16

Entropa

Jetzt sind alle von den Socken: David Cerný, weil offenbar niemand sein als Witz getarntes Kunstwerk versteht; die EU-Staaten, weil sie über Entropa partout nicht lachen wollen; und die Auftraggeber der 100-Quadratmeter-Provokation, die sind auch von den Socken. Doch die hätten durchaus wissen müssen, was ihnen blüht, wenn sie den Aktionskünstler David Cerný damit beauftragen, die tschechische EU-Präsidentschaft mit einer Installation zu verschönen. Schließlich hat der 43-Jährige im Laufe seiner Karriere oft genug bewiesen, dass seine Kunst zumindest eins ist: ausgesprochen diskussionsanregend.

Da war beispielsweise die schlagzeilenträchtige "Pink Tank"-Aktion 1991: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion malte der glühende Antikommunist einen russischen Panzer - es war angeblich der erste, mit dem die Rote Armee 1945 in Prag eingerückt war - rosafarben an. Cerný wurde vorübergehend festgenommen; heute steht der rosarote Panzer als eine Ikone kritischer Kunst im Militärmuseum.
Oder die Persiflage auf den Prager Nationalheiligen: Cerný setzte Wenzel auf den Bauch eines kopfüber und mit heraushängender Zunge von der Decke baumelnden Pferdes. Die Skulptur hängt übrigens gleich neben dem Wenzelsplatz in der Lucerna-Passage.
Oder der Brunnen vor dem Kafka-Museum: Zwei nackte Bronze-Männer pinkeln in einen Teich, der die Form der tschechischen Republik hat; mit ihrem Wasserstrahl zeichnen sie Zitate berühmter Prager Persönlichkeiten ins Becken.
Nicht realisiert wurde sein Entwurf anlässlich des tschechischen EU-Referendums 2003, mit dem er die Nationalisten ärgern wollte: Ein masturbierender Riese sollte auf dem Dach des Nationaltheaters sitzen und aus dessen Penis immer wieder Wasser sprühen.

Ziemlich ungewöhnlich war auch sein Rechenbeispiel für künstlerischen Erfolg, das er im Buch "The Fucking Years" anstellte: Er rechnete die Zeit des künstlerischen Schaffens in die Menge des in dieser Zeit verbrauchten Spermas um. Seine persönliche Erfolgslatte: 30 Liter.

Nicht er sei berühmt, sondern das Pferd, sagte er, angesprochen auf die Wenzel-Persiflage, einmal kokett. Tatsächlich war seine Prominenz außerhalb der tschechischen Kunstwelt enden wollend. Das hat sich schlagartig geändert. So gesehen ist "Entropa" sein mit Abstand erfolgreichstes Werk.
Wieder einmal ist ihm bestens gelungen, mit Kunst zum Nachdenken zu provozieren. Erstaunlich ist nur, dass er auf einen Teil des Honorars (€ 9000) verzichten will.
Das Bild Bulgariens als eine Ansammlung von Hocktoiletten muss aus dem umstrittenen Kunstwerk im Gebäude des EU-Ministerrates verschwinden. "Natürlich bestehen wir darauf", sagte eine Sprecherin der bulgarischen EU-Botschaft am Donnerstag in Brüssel. Man habe bereits einen zweiten Brief mit dieser Forderung an die tschechische EU-Ratspräsidentschaft und zudem einen weiteren an den EU-Außenpolitik-Beauftragten Javier Solana geschickt. Der tschechische Vizepremier für Europafragen Alexandr Vondra hatte sich bei Bulgarien entschuldigt und eine Entfernung des bulgarischen Teils der Collage angeboten. Unterdessen protestierte auch die Slowakei gegen die Darstellung des Landes in dem Kunstwerk "Entropa". Außenminister Jan Kubis missfiel die Präsentation der Slowakei als Salami mit ungarischer Fahne. Der Sprecher des Außenamts sagte der Nachrichtenagentur CTK, Kubis habe deswegen dem tschechischen Vizepremier Vondra die Vorbehalte Bratislavas übermittelt.
(Quelle: DerStandard/APA/dpa/CTK)

2008-11-06

Miklos Nemeth


Auf der Wiener Kunst und Antiquitätenmesse (die sich unter der etwas unglücklichen Abkürzung "Wikam" zu positionieren versucht) war wohl die Sonderpräsentation des ungarischen Expressionisten Miklos Nemeth (*1934 in Budapest), vertreten durch Kunsthandel Mitmannsgruber, eines der wenigen Highlights. Im Rahmen der Miklos Nemeth-Präsentation auf der Wikam wurde auch die erste umfassende Monographie des Künstlers, verfasst von der Kunsthistorikerin Carmen Trappenberg, präsentiert.
Galeriebeschreibung: Charakteristisch für seinen leidenschaftlich-dynamischen Umgang mit dem Pinsel ist einerseits seine subjektive, heftige Farbwahl, andererseits seine impulsive Arbeitsweise, d.h. Nemeth fertigte keine Malstudien und spätere Korrekturen oder Serien sich entwickelnder Bilder an. Seine Motive fand Miklos Nemeth im Garten seiner Villa auf der Buda-Seite mit Blick auf die Berge. Besonders gern war Nemeth mit seiner Staffelei in der freien Natur unterwegs, malte Brücken, Berge und die Donau. In seinen Bildern spiegeln sich immer seine pantheistische Sichtweise sowie sein koloristisches Wesen wider. Als ein schon zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn von inneren Bildern geleiteter und von den Farben sich abkühlender Lava inspirierter Künstler sieht sich Miklós Németh selbst als den „Maler des Vulkans“. Preisniveau: ca. EUR 6.000,- bis 12.000,-
Weiteres Highlight auf der "Wikam": Kunsthandel Widder mit einer Personale zu Karl Hauk. Sonst war die Wikam wie schon 2007 ein eher eigenartiges und provinzielles Potpourri zwischen ein wenig Contemporary und viel Bauernmöbel-Kitsch...

2008-11-02

Peter Kogler im MUMOK Wien

Die groß angelegte Werkschau des österreichischen Künstlers Peter Kogler im MUMOK Wien (31.10.2008 - 25.1.2009) betont den Stellenwert von Koglers Frühwerk im Zusammenhang mit den seit den 1980er Jahren entwickelten computergenerierten Motivwelten. Für das MUMOK hat Peter Kogler 3 neue Installationen geschaffen, eine davon projiziert weiße Riesenratten auf die Fassade des Museums.
Peter Koglers medien-, raum- und architekturbezogenen Arbeiten bestimmen das internationale Kunstgeschehen maßgeblich mit. Beiträge für Großausstellungen wie der Venedig Biennale (1986) sowie die Teilnahmen an der documenta IX und X in Kassel (1992,1997) brachten ihm weltweit hohes Renommée ein. Peter Koglers Grafiken und Installationen verweisen auf die Mediatisierung und Technologisierung der Gesellschaft mit ihren Potentialen und Fallen. Seine begehbaren Raumlabyrinthe mit ihren biomorphen Formen haben ebenso wie die Aufsehen erregenden Interventionen im urbanen Raum große öffentliche Resonanz gefunden. Jetzt zeigt das MUMOK sein bisheriges, umfassendes Oeuvre und präsentiert über 100 Arbeiten von 1979 bis 2008.
In den frühen Gouachen und Kartonobjekten verknüpft Peter Kogler, angeregt von Filmklassikern der Moderne, Figur und Raum zu bildhaften Objekten. Die gleichförmig und musterartig strukturierten Bildmotive verweisen bereits auf die computergenerierten Arbeiten, die er in den 1980er Jahren, jenseits des Mainstreams der neuen wilden Malerei, entwickelt. Peter Kogler wählt früh die Medien- und Computertechnologie als Grundlage seiner installativen und raumbezogenen Werke. In ihnen verformt und verflüchtigt sich die Identität und Individualität des Menschen in rasterartig anonymen Porträts. Mit der Ameise und dem Gehirn findet Kogler grundlegende Motive, die zeichenhaft Symmetrisches sowie lebendig Organisches in sich vereinen. Sie symbolisieren die Durchdringung von Natur und Technik, von Realität und Virtualität und sind in ihrer seriellen Vervielfachung prägnante Erkennungszeichen seiner Kunst. Das Labyrinth als Metapher einer medial vernetzten Gesellschaft bildet ein weiteres modulares Zentralmotiv, mit dem er in seinen variantenreichen Tapetenarbeiten und Projektionen reale Räume so überlagert, dass Besucher in virtuelle end- und bodenlose Raumfluchten hineingezogen werden, die neue Wahrnehmungs- und Erfahrungshorizonte eröffnen.

2008-10-26

Kunstmarkt und Finanzkrise

Kunst-Experten und Kunsthandel zittern, in welchem Ausmaß die Finanzkrise für den Kunstmarkt spürbar wird. Immerhin standen wichtige Auktionen auf dem Programm, eröffnen im Wochentakt die traditionellen Herbstmessen in London, Paris, München und Wien. Zweckoptimismus war angesagt, Augen zu und durch. Die Nervosität auf Käuferseite kam postwendend, bereits im Rahmen der Biennale des Antiquaire, der wichtigsten französischen Kunst- und Antiquitätenmesse, war die breite Masse zögerlich, andere zückten bedenkenlos die Kreditkarte. Deutlich trister war die Stimmung im Rahmen der Shanghai Contemporary, zu tief saß der Schock, ob des Crashs. Dazu kam die nahezu unüberwindbare Hürde für Inlandskäufer, ist Kunst in China doch mit einer 35-prozentigen Luxussteuer belegt. Anderen war die Lust am Kunstkauf kurzfristig abhanden gekommen.
Völlig gegenteilige Stimmung herrscht derzeit in London. Der Auftakt der Frieze begann vielversprechend, nach vier Öffnungstagen hatte man die gleiche Menge an Besuchern wie 2007 begrüßt (rd. 68.000). Und die Verkäufe? Auch dank der deutlich reduzierten Erwartungen der Teilnehmer bilanzierte man am Ende weit besser als erhofft: "Ausverkauft!", meldeten mehrere Galerien, darunter Lisson für Animationen von Julian Opie. Auch Ivan Wirth übte sich im Überschwang, "unsere beste Frieze jemals!". Der einhellige Tenor: Die großen Sammler lassen sich von wirtschaftlichen Turbulenzen nicht abschrecken, und endlich - seit vielen Jahren wieder - wird wieder mehr über Kunst und Inhalte gesprochen, nicht über Investitionen.

Ähnliches auch in München, wo sich seit Samstag vergangener Woche 90 Teilnehmer zur 52. Kunst Messe München versammelten. Zwar sei der Publikumsandrang merklich stiller, aber das Interesse ungebrochen, besonders die Mittelware bis zu 50.000 Euro verkaufte sich hervorragend. Zu den Debütanten gehörte Galerist Klaus Thoman, auf dem Weg Richtung Paris zur Fiac ließ er wissen, mit Umsatz sei er sehr zufrieden. Friedensreich Hundertwassers Tränenspirale mit Kito (320.000 Euro) könnte durchaus noch vor der nächsten Messestation in Wien den Besitzer wechseln. Weniger erfreulich betrachten die Messeteilnehmer die derzeitige Situation, mit drei nahezu zeitgleichen Kunst- und Antiquitätenevents (Munich Highlights, Fine Art & Antiques), sei das ein hinderlicher, um nicht zu sagen völlig kontraproduktiver Eventansatz. Insgesamt scheint der Kunstmarkt von einer Flucht in Sachwerte zu profitieren. Ein Trend, dem sich Wien ab kommender Woche nur zu gern anschließen würde, angesichts der auf dem Programm stehenden Wiener Kundt und Antiquitätenmesse im Palais Ferstel & Niederösterreich) und der Hofburg Messe für Kunst und Antiquitäten.

Etwas gezügelter gibt sich das Auktionssegment. Die im Umfeld der Londoner Frieze abgehaltenen Auktionen Zeitgenössischer Kunst liefen verhaltener als sonst, die Verkaufsraten schrumpften auf rund 55 Prozent. Ist es die längst fällige Korrektur eines überzogenen Hypes? Nicht gerade zur Freude des neuen russischen Eigners (Mercury Group) gereichten wohl die Resultate von Phillips de Pury, statt zumindest 24,8 Millionen Pfund spielte man spärliche 8 Mio. ein. Auch Sotheby's musste sein erwartetes Minimum von 55,3 auf 44 Millionen Pfund korrigieren. Die jährliche Auktion Italien Art brachte mit 13,6 Millionen (Verkaufsquote 88,5 Prozent) sogar das zweithöchste Resultat in der Geschichte des Unternehmens. Die erstmals abgehaltene Sitzung für Zeitgenössisches Design schloss unter reger Beteiligung des französischen und Schweizer Handels mit einem Absatz von knapp 60 Prozent nach Wert (1,2 Mio Pfund). Etwas besser lief es für Kontrahent Christies, die in drei Sales 49 Millionen Pfund (63 Millionen Euro) einspielten. Die stärkste Käufernation blieb - wie stets - Europa.

In Wien herrschte Anfang vergangener Woche ein Wanken zwischen Schock und Freude. Bei den imKinsky-Auktionen hatte man am Ende der 70. Versteigerung tatsächlich kaum Grund zum Jubel. In der Sektion Alter Meister setzte man gerade einmal 28 Prozent des Angebotes ab, bei Klassischer Moderne 33 Prozent. Im Bereich Zeitgenössischer Kunst (43 Prozent) bedürfen allerdings die Highlights noch Nachverhandlungen im Wertumfang von knapp 244.000 Euro, gemessen am veröffentlichten Gesamtumsatz von netto 2,5 Millionen Euro liegt der Nachverhandlungsanteil bei 500.000 Euro.

2008-09-16

David Kracov

Endlich, nach langen Verhandlungen mit der Galerie in Los Angeles über Transportkosten, Versicherung etc. ist sie eingetroffen, meine David Kracov-Collection: "Shadow Box Sculptures" des Warner Brosthers und Disney-Animation-Artists David Kracov.

"Duck a L'Orange":



"Thinking Outside of the Box":

2008-09-01

Achilles und die Schildkröte

Ein Film, der derzeit bei den Filmfestspielen Venedig zu den Favoriten zählt: Takeshi Kitano zeigt in der Tragi-Komödie "Achilles und die Schildkröte", wie schwierig ein Künstlerleben sein kann - mit viel Selbstironie und mit dem einen oder anderen Seitenhieb auf den internationalen Kunstmarkt.